Entstehung und Werdegang

Kunst sichtbar zu machen, ihr außerhalb der etablierten Institution einen Platz zu geben und zugleich der allgegenwärtigen Werbung einen Kontrapunkt entgegenzusetzen, das waren die Überlegungen, die zu der innovativen Idee der "Kunst an der Plakatwand" führten. Am Anfang stand, wie so oft, die Faktizität des Gegebenen. Als die Karlsruher Künstlerin Angela Junk-Eichhorn ein neues Domizil bezog, war da nicht nur ein Haus und ein Grundstück, sondern auf diesem auchzwei kommerziell genutzte Plakatwände. Statt sich in die Situation zu fügen, oder die unliebsamen Werbeträger abzureißen, nahm die neue "Herrin der Wände", sie in Besitz: Sollten auf der einen Stellwand nach wie vor die Werbestrategien der Wirtschaft um die Gunst des Verbrauchers buhlen, so sollte die andere zu einem kreativen Freiraum für die Kunst werden.

Das Experiment startete im Mai 1988 und die Malerin Eva Schaeuble war die Erste, die die Fläche von 260 x 360 cm in einen Bildraum verwandelte.Das Schlagwort von der Kunst im öffentlichen Raum hat seitdem für die Karlsruher eine neue Bedeutungsvariante. Alle 6 Monate gibt es an der Plakatwand etwas Neues zu sehen. Liegt für die Künstler und Künstlerinnen der Reiz darin, ein neues Publikum anzusprechen und die traditionellen Wege zu verlassen, so erfreut sich die "Kunst an der Plakatwand" bei Passanten auch deshalb eines großen Interesses, weil es eine Kunst zum Anfassen ist. Kein Glas und keine Lichtschranke trennen den Betrachter vom Betrachteten. Die Kunst ist buchstäblich von ihrem Sockel gestiegen und zeigt sich auch von Wind und Wetter unberührt.

(aus "Wenn die Bilder in die Städte kommen", Dr. Margrit Brehm, Kunsthalle Baden-Baden)

Es mag an der dem Projekt eigenen Offenheit, der Schutzlosigkeit, mit dem es sich preisgibt liegen, dass es weitgehend freundlich aufgenommen wird. So schwierig jeder Schritt zu Beginn war, so aufwendig die Organisation auch heute noch immer wieder sein mag, das Projekt fand viel und stetig wachsende Zustimmung innerhalb und außerhalb Karlsruhes. Denn bald wurde allen Beteiligten klar, dass man ein Medium entwickelt hatte,das sich von seinem Ursprungsort emanzipieren und auf Wanderschaft gehen konnte.

Die Bilder gingen auf Reisen, zunächst einzeln, später in Gruppen. Sie versammelten sich auf Wiesen, in Parks, auf Plätzen, zum Beispiel in Prag (1995), in Bad Boll und Hildesheim (1996), in Strasbourg (1997), in Wörth (1998), schließlich auch in Paris (1999), in Überlingen am Bodensee (2000), in Nancy (2001) und in England (Oxford/Nottingham - 2002).

Diese schrankenlose Präsentation von Originalgemälden schafft in der zweckorientierten Welt eine zweckfreie Zone, einen Freiraum.

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